Tag der offenen Moschee 2019

Was ist „Heimat“? Ist sie nur der Ort, an dem wir unsere Kindheit und Jugend verbracht haben, wo unsere Familie, unsere Freunde leben? Das Land, aus dem unsere Eltern oder Großeltern stammen? Ist Heimat überall dort, wo wir uns zu Hause fühlen? Gibt es so etwas wie eine „spirituelle Heimat“, einen Ort, mit dem wir uns durch unseren Glauben verbunden fühlen? Oder ist Heimat inzwischen ein Kampfbegriff geworden, durch den das Althergebrachte vom Neuen, z. B. religiöse oder ethnische Minderheiten wie Sinti und Roma oder Juden, abgegrenzt wird?

Die Mariendorfer Moschee lädt am 03. Oktober 2019 ab 11:30 Uhr zum Tag der offenen Moschee 2019 ein.

Anscheinend sind diese Fragen zu einem so diffusen Begriff nicht so einfach zu beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint. Offensichtlich hat das Thema Heimat mehrere Aspekte: sich zugehörig fühlen und angenommen werden.

Menschen werden in einem Land, einer Region, Stadt oder einem Dorf geboren bzw. sind zugezogen. Sie wachsen dort auf, absolvieren eineAusbildung oder ein Studium, finden eine Arbeit und gründen eine Familie. Sie können weder ihre Ethnie noch ihre Eltern selbst wählen. Sie entwickeln eine emotionale Verbindung zu dem Land, in dem sie geboren sind bzw. leben. Dabei werden Sprache, Kultur und Religion alswichtige Teile der eigenen Identität weiter gepflegt. Sie sind zuallererst Menschen. Erst danach fühlen und verstehen sie sich als Deutsche, aber eben auch als Türken, Araber, Albaner, Bosnier, etc.

Der Tag der offenen Moschee (TOM), der seit 1997 jährlich am 3. Oktober stattfindet, zeigt, welche Beiträge Muslime zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft leisten. Bundesweit nehmen rund 1000 Moscheen an der Aktion teil, die seit 2007 vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) organisiert wird.

Der Tag bietet Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Ethnien vielfältige Austauschmöglichkeiten. Die Moscheen laden zum gegenseitigen Kennenlernen und zu vorurteilsfreier Begegnung ein. Muslime, ihr soziales Engagement, ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten ihre sozialen Leistungen und ehrenamtlichen Tätigkeiten, und damit auch ihre Religion, der Islam, sind längst zu einem festen Bestandteil des lebensweltlichen Umfeldes geworden.

Aktuelle Debatten zeigen jedoch, dass die transnationalen Identitäten vieler Musliminnen und Muslime noch lange keine Normalität sind. Während es beispielsweise nicht als Problem gesehen wird, gleichzeitig Deutscher und Amerikaner, Deutsche und Französin zu sein, wird die kulturelle Verwurzelung muslimischer Migrantinnen und Migranten immer häufiger als irritierend, ja sogar störend empfunden.

Auch und gerade seitens der Politik wird der Heimatbegriffzunehmend mit der geografischen Herkunft, Zugehörigkeitmit ethnischer Abstammung verknüpft. In Teilen der Gesellschaft und Politik hat das einen höchst ausgrenzenden Charakter angenommen. Es wird wieder Eindeutigkeit gefordert. Wer „Deutscher“ sein will, so scheint es, kann sich nicht gleichzeitig (noch) einem anderen Land bzw. einer Kultur emotional verbunden fühlen. Umgekehrt herrscht mancherorts die Auffassung, dass „Deutsch-Sein“ andere Identitäten ausschließt bzw. dieser unterzuordnen ist. Doch diese Diskussion darf nicht entlang von Religion, Ethnie und Nationalität geführt werden. Ferner darf der Begriff Heimat nicht zur Abgrenzung, Diskriminierung und Beschneidung von Grund- und Menschenrechten verwendet werden.

Der KRM hat den TOM 2019 unter das Motto „Menschen machen Heimat/en“ gestellt. Damit möchten die Muslime das eindimensionale Heimatverständnis um die weitgehend unbekannte islamische Perspektive erweitern. Diese kann mit ihrer gelasseneren Herangehensweise zu einer anderen Wahrnehmung von „Heimat“ in einer globalisierten Welt beitragen.

Der Vorstand der Mariendorfer Moschee lädt am 03. Oktober 2019 ab 11:30 Uhr zum Tag der offenen Moschee 2019 ein. Weitere Informationen finden Sie unter: http://tagderoffenenmoschee.de oder https://mariendorf-moschee.de/oeffentlichkeitsarbeit/moscheefuehrungen/